Die Realität des Inneren Menschen oder: Unsere unsterbliche Seele

Die Realität des Inneren Menschen oder: Unsere unsterbliche Seele



Der Engel  (von Rainer Maria Rilke (1875-1926))

„Mit einem Neigen seiner Stirne weist
er weit von sich was einschränkt und verpflichtet;
denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet
das ewig Kommende das kreist.
Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,
und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -,
gib seinen leichten Händen nichts zu halten
aus deinem Lastenden. Sie kämen denn
bei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,
und gingen wie Erzürnte durch das Haus
und griffen dich als ob sie dich erschüfen
und brächen dich aus deiner Form heraus.“

„Sein zum Tode“ oder „Sein zum Leben“?


Die Religionen sagen, wir können aus dem Wort und aus dem Unaussprechlichem, der Quelle der Schöpfung geboren bzw. beseelt werden. Wir können mit unserem Geist in der tiefsten und innigsten Seinskraft gründen.

Der Seelsorger sorgt sich um das Sein der Seelen.

Was ist die Kraft und der Geist unserer inneren Seele? Was ist die Kraft, die sie im Innersten zusämmenhält? Ist es nicht die Kraft des Anfangs des Seins? Die absolute und vollkommene Bejahung der Existenz und damit allen Lebens und die Liebe zum Sein die alles Sein durchdringt?

Denn nicht wie einst Martin Heidegger  den Menschen als ein „Sein zum Tode“ verurteilte, herrscht der brennende und unauslöschliche Lebenswille in uns allen – sondern in gewaltiger Kraft als ein „Sein zum Leben“. Doch diese Kraft ist auch eine Entscheidung jedes Einzelnen.

Die Entscheidung, wahrhaftig im Seinsgrund zu gründen, ist gleichzeitig notwendig eine Entscheidung, im Frieden zu allen Lebewesen existieren zu wollen. Denn die Kraft am Anfang, der Wille zum Sein und die Liebe zum Sein sind untrennbar in der Einheit des Unaussprechlichen miteinander verbunden. Und so auch in uns-.

Es ist die Entscheidung, die Möglichkeit einer unendlichen Existenz anzuerkennen als wirkliche Möglichkeit unserer selbst. Ein Sich-Ausrichten auf unseren geistigen Körper, der vom Seinsgrund getragen wird.

Damit ist es gleichzeitig die Entscheidung, zum Wohle aller Wesen  sein eigenes Wirken auszurichten. Ein Sich-Gründen-im-Frieden. Ein unbeugsamer, unendlicher Wille zum Leben und zum Frieden für alle Lebewesen. Ein Gefühl der geistigen Grenzenlosigkeit.

Und in diesem Grund | des Bewusstseins gründen wir in einer so starken Einheit mit der Quelle des Seins,  dass wir selbst über den Tod hinaus in dieser Quelle mit all unserer Liebe geboren werden. Denn die Kraft zum Sein IST stärker als die Kraft zum Nichts.

Wenn wir die Ganzheit des Lebens, die Einheit des Lebensprinzips erkennen, dann erkennen wir damit unser todloses Selbst, heißt es in den Upanischaden. Der Christ und Jude hoffen auf einen geistlichen Leib. Der vedische Mystiker  erwartet einen „nicht-physischen Körper“,  der  Buddhist erkennt sich als eine „strahlende, geistige und überweltliche Art des Daseins“ und der Taoist  erkennt sich in der „ Quelle des Seins“, im ewigen Lebensfluss, dem Tao.

Doch allen ist Eines gemein: Die Existenz in der Ewigkeit. Darum sagt Laotse auch: „Erleuchtung bedeutet: Erkennen der Ewigkeit“.

Über die Beschaffenheit des geistigen Lichtkörpers


Die Religionen sind sich in diesem Punkt interessanterweise relativ einig. Denn gerade in diesem Punkt ist es wichtig, nicht bloß durch „Heilige Schriften“ davon zu lesen – sondern diese Realität in der eigenen Existenz zu erleben. „Was nützt es, die Heiligen Schriften zu lesen, wenn man die Einheit allen Lebens nicht erkannt hat?“ Heißt es in den Upanischaden. Denn wir wollen diese Welt ja in einem ganz lebendigen Sein in ihrer Vergänglichkeit überwinden. So lebendig, dass wir an der Realität unseres Inneren Menschen nicht mehr zweifeln, sondern darauf vertrauen, dass er diese leidvolle Welt überwinden kann. Und diese nicht auf die Art überwinden, dass er sich von ihr abwendet, sondern durch das Wirken der Liebe zu allen Lebewesen eben die Begrenzungen in seinem Geist überwindet. Sich selbst als ein Geschöpf des Schöpfers zu erkennen bedeutet, sich selbst auch in der Ganzheit der Schöpfung zu erkennen und gleichzeitig in jedem Augenblick zu verwirklichen. Darum hängen die Selbsterkenntnis und die Liebe untrennbar miteinander im ewigen Wesensgrund zusammen.

„Der Erhabene sprach also: „Was ist das also, Brahmane, für ein Weg, der zu Brahma führt? Da strahlt, Brahmane, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. In also geübter liebevoller Gemütherlösung, Brahmane, kann beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehen. […] Das aber ist, Brahmane, der Weg, der zu Brahma führt.“  […] Zu einer ewigen, “strahlenden Art des Daseins.”         

                                                                                       Buddha 

 

Die spirituellen, (Heiligen) Schriften sagen uns über unseren geistigen Lichtkörper:

  • Er besteht aus ewigem Licht / Lebensenergie (ist somit unvergänglich)
  • Er ist verbunden mit der Ganzheit des Seins
  • Er ist gestaltet aus dem Raum unseres Herzens, der Liebe
  • Er ist gestaltet aus unseren Taten, den Werken
  • Er existiert im Frieden zu allen Lebewesen
  • Er kann sich von unserem Körper als „eigenständige“ Existenz lösen
  • Er ist wesentlich verbunden mit der Quelle des Seins
  • Er kann den Äther und die Materie mit Bewusstsein durchdringen
  • Er kann sich frei durch den Raum gemäß seiner Absicht / Willen seines Bewusstseins, bewegen

 

Sieben Übungen zur Entwicklung unseres geistigen Lichtkörpers


Ich habe selbst schon einige Male die Trennung meiner Seele von diesem physischen Körper erlebt. Für mich ist diese Erfahrung durchaus Heilig und existenzielle Gewissheit.  Wenn man will, kann man versuchen, alles auf eine „Projektion unseres Gehirns“ zurückführen – oder Erlebnissen mit Engeln nur den Realitätscharakter einer „Halluzination“ zuschreiben. Doch dies hieße, über die Realität eines anderen Menschen anhand selbst gesetzter Kriterien zu urteilen!

Wir sollten aber unsere Wahrnehmung nicht in dem Urteil gefangen halten, wir seien bloß endliche Wesen-. Sondern uns auch lebendig mit ganzer Kraft in die Ewigkeit versetzen und den Glauben an die Existenz jenseits des Todes nicht einfach aufgeben. Denn:

„Wer sucht, der soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet.“

Jesus im Thomasevangelium

Darum sind folgende Übungen zur Entwicklung und Schulung unserer geistigen Existenz, um uns als lebendiges Geistwesen zu erkennen. Getragen von der Quelle des Seins:

 
       1. Schreibe einen Brief an das Universum

„Wer mit Blut schreibt der weiß, dass Blut Geist ist.“

Friedrich Nietzsche

Schreibe einen Brief, wie du noch nie einen Brief geschrieben hast! Schreibe ihn, als ob der Tod und das ewige Leben dir über die Schultern schauen würden. Und wenn deine Seele JETZT geholt werden würde, du mit reiner Absicht und reinem Herzen mit ganzer Kraft auf die Worte dieses Briefes zeigen würdest und zur Macht des Seins sagst: Sieh, das ist mein Zeugnis! Unzerstörbar ist die Wahrheit in der Ewigkeit! Bewahre diesen Brief an einem Besonderen Ort auf, z.B. auf deinem Heiligen Altar oder unter einer Engelstatue und vor allem: In Deinem Herzen.

       2. Gehe in dein Liebes- Umfeld

Verlasse deine gewohnte Routine für eine gewisse Zeit. Gehe dorthin, wo dein Herz aufgeht, umgib dich mit der Umgebung, die du liebst. Sei es unter einen Baum, den Sternenhimmel, auf Bergen oder in der Innenstadt – geh dorthin, wo du gerne bist. Lass die ganze Lebendigkeit dieser Umgebung tief in dich hindurchdringen und verbinde dich mit der Kraft des Ortes. Kannst du eine Verbindung mit diesem Ort und deiner Seelenheimat herstellen? Fühle die Liebe, die dieser Ort und diese Situation für dich bereithält.

       3. Wirke Taten der Freude und Bejahung

Konzentriere dich zunächst auf ein paar wenige spezifische Taten, egal was es (im Guten) ist. Denn das Wichtigste ist: Wenn du es tust, dann tue es mit ganzer Bejahung ohne einen Funken Negativität. Ganz mit Bejahung und Freude, Aufmerksamkeit und Kraft, verbindest du dich dann immer mehr mit allen Handlungsweisen in deinem Leben. Und genau diese absolut Bejahende Kraft des Lebens ist unser ursprünglicher Seinsgrund, mit dem wir uns bewusst dadurch verbinden.

       4. Errichte deinen Heiligen Altar

Hole dir einen kleinen Tisch oder eine geeignete Ablage. Dort platzierst du nur Dinge, die symbolisch auf innigster Weise mit deiner Seele verbunden sind. Alles, was du liebst, dir wahrhaft wünschst, was du sein und wirken willst, was dir Kraft und Zuversicht gibt, welche Energien dich umgeben sollen. Du kannst dort Figuren, Räucherwerk, Kristalle, Pflanzen, Bilder, Texte, Gebete, usw. platzieren. Immer wenn du nun vor den Altar trittst, begegnest du einem Spiegel deiner Seele. Nutze diese Klarheit und richte deine Lebenskraft auf die Verwirklichung deines Heiligen Altars.

       5. Schule deine Wachsamkeit in der Fügung des Seins

Wenn du dem Universum / Quelle des Seins / Gott, deine wahren und klaren Absichten und Wünsche für dein Leben offenbart hast. Dann kommt nun die Zeit, dich auf das Wunder der Fügung des Seins zu konzentrieren. Das können zunächst „kleine Dinge“ sein, die dich an dein Ziel und deine Liebe erinnern, daran, wo du hinwillst. Und dich in deiner Selbstverwirklichung bestärken. Ob es neuen Menschen- Gruppen sind, denen wir begegnen können, sei es ein Seminar oder Studiengang, der uns auf einmal vor die Augen kommt und dessen Thema uns schon immer interessiert hat. Oder sei es ein manifestierter Wunsch eines Partners mit bestimmten eigenschaften, oder die Manifestierung eines bestimmten Lebensweges, den wir gehen wollen. Sei wachsam! Denn das Leben weist dir den Weg zu Deiner Bestimmung in deinem freien Willen. Denn beides wird am Ende zur Einheit in der Liebe gefügt. Achte auf die Zeichen der Liebe, die deine Herzenswege auf göttlichen Bahnen lenkt. In der Religionspsychologie spricht man von diesem Vorgang als einem „Äquilibrium“. Wenn nämlich das Innere und das Äußere zur Einheit im Bewusstsein des Menschen wird (d.h. Selbst- Umwelt- Synchronizität).

       6. Die Loslösung von deinem Körper

In wirklich allen Religionen ist ein Punkt von sehr entscheidender und zentraler Bedeutung: Die Loslösung von unserem physischen Körper. Um dich gut etwas mehr von deinem Körper lösen zu können, lege dich hin und entspanne deinen Körper so gut wie möglich. Lasse die Atmung ganz natürlich und ungezwungen durch dich hindurch fließen. Konzentriere dich auf dein Spirituelles Zentrum der Kraft. Lasse deinen Körper los und dringe ein in eine Dimension der Existenz, die dich wahrlich erfüllt. Visualisiere den Ort und die Existenz, die dir das größte Gefühl der Bejahung und Erfüllung gibt. Konzentriere und versenke deinen Geist immer weiter in jene Seelenwelt, in der du hinüberschreiten willst.

Sei offen für das „Wunder“ der Lösung deiner Seele von deinem Körper und lasse dazu geschehen was geschehen muss. Fühle dich immer geborgen in der Liebe und dem guten Willen und deiner reinen Absicht und Ausrichtung in dein Liebesland.

       7. Die Wahr- Nehmung deiner Transzendenz und Immanenz

Die Transzendenz erreichen wir eben durch unsere Immanenz! Weil die Wahrheit des Seins unseres Körpers und dessen Taten mit der Wahrheit des Seins unseres Geistes ein und dieselbe Wahrheit unserer Existenz sind.

Und auch wenn sich die Seele als „eigene“ Existenz wahrhaft von unserem Körper lösen kann, dann tut sie das nur aus dem reinsten und absolutesten Grund |, der im Sein Existiert: Dem Willen zum Leben, zur Existenz. Darum ist die Transzendenz die höchste Form der Lebensbejahung, weil unsere physischen Körper eben vergänglich sind. Denn die Vergänglichkeit zu Bejahen tun wir in Form der Liebe zu allen Wesen.

Eine Meditation zur Synthese der Immanenz und Transzendenz aus den Upanischaden:


„In dunkler Nacht leben jene, für die allein die Welt draußen real ist; in noch dunklerer Nacht jene, für die allein die Welt drinnen real ist. Das erste führt zu einem Leben der Tat, das zweite zu einem Leben der Meditation. Aber jene, die tätiges Handeln mit Meditation verbinden, überqueren das Meer des Todes durch tätiges Handeln und gehen in die Unsterblichkeit ein durch die Ausübung der Meditation.“   

                                                      Isha- Upanischad


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